Die Katze als Therapeut

Die Katze kann den Psychotherapeuten ersetzen. Ihr Schnurren beruhigt und unterstützt Heilprozesse. Katzen können mit ihren Besitzern kommunizieren, Türen öffnen und zählen...

 

Vor allem in Lebenskrisen sind Katzen die idealen Haustiere. Eine Untersuchung von Reinhold Bergler, Lehrstuhlleiter an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn zeigte, dass Katzen dann sogar den Therapeuten ersetzen können. In seiner Studie untersuchte er Menschen, die beispielsweise arbeitslos waren, eine Trennung durchmachen mussten oder unter einer schweren Krankheit litten. Diejenigen von ihnen, die eine Katze hatten, mussten weniger Medikamente einnehmen. Außerdem mussten sie nicht die Hilfe von einem Psychotherapeuten in Anspruch nehmen. Von den Probanden ohne Katze mussten fast zwei Drittel von dieser Option Gebrauch machen.

 

Hunde haben ein Frauchen oder Herrchen, Katzen jedoch haben Personal. Jeder, der mit einer Katze zusammenlebt, wird diese Aussage bestätigen. In deutschen Haushalten leben laut Industrieverband Heimtierbedarf über acht Millionen Katzen. Doch auch wenn sich die stolzen Minitiger alles, was sie an Zuwendung und Futter brauchen, vom Menschen gezielt erschnurren, geben sie ihrem Zweibeiner doch eine ganze Menge Positives zurück. Studien zum Thema Mensch-Tier-Beziehung decken Interessantes auf:

 

Schnurren unterstützt die Heilung

 

Früher galt die Landläufige Meinung, dass Katzen nur dann schnurren, wenn sie sich wohlfühlen. Untersuchungen des Fauna Communications Research Institute in North Carolina haben gezeigt, dass sie den langgezogenen Brummton auch produzieren, wenn sie unter Stress stehen oder krank sind. Das bringt klare Vorteile für die Vierbeiner. Unter der Frequenz von 22 bis 30 Hertz, die dem Schnurren der Katze entspricht, heilen Verletzungen und Knochenbrüche schneller ab. Schnurren unterstützt also die Selbstheilungsprozesse des Körpers - und nicht nur für die Katze selbst, sondern vielleicht auch für den Menschen.

 

Schnurren beruhigt und senkt den Blutdruck

 

Fest steht, dass Schnurren auf den Menschen beruhigend wirkt. So setzen einige Ärzte und Therapeuten Katzen bei Traumapatienten ein oder bei Menschen, die unter einer chronischen oder psychosomatischen Krankheit leiden. Dabei haben verschiedene Studien diesen Effekt untersucht, die alle zum gleichen Ergebnis kamen: Katzenschnurren senkt den Blutdruck, gleichzeitig schüttet das Gehirn vermehrt den Neurotransmitter Serotonin aus. Das so genannte Glückshormon gleicht nicht nur die Psyche aus, sondern unterstützt auch den Schlaf-Wach-Rhythmus.

 

Katzen verfügen über besondere Antennen

 

Manche Katzen können wahrscheinlich noch mehr. Bekannt wurde in diesem Zusammenhang ein Kater in einem Seniorenheim (Providence), der den nahenden Tod scheinbar vorherahnen kann. Legt sich der Kater zu einem Bewohner, lebt der Betroffene nur noch wenige Stunden. Das Heimpersonal benachrichtigt deshalb die Angehörigen, wenn Kater Oscar sich nahe an einen Patienten schmiegt.

 

Katzen können Türen öffnen und zählen

 

Auch in praktischen Dingen sind Katzen geschickt. So gelingt es einigen, Türklinken gezielt im Sprung zu öffnen. Eine Studie des Verhaltensforschers Immanuel Birmelin verblüffte mit der Erkenntnis, dass die Vierbeiner sogar zählen können. Er nummerierte Fressnäpfe mit Punkten und trainierte die Tiere darauf, dass in dem mit einem Punkt gekennzeichneten Napf Futter war, wenn ein Gongschlag ertönte, in dem Napf mit zwei Punkten, wenn zwei Gongschläge erfolgten usw. Die Tiere lernten das schnell. Das Experiment zeigt, dass die Tiere also überlegt handeln und Entscheidungen treffen.

 

Katzen kommunizieren gezielt

 

Katzen sind in der Lage, mit dem Menschen durch Schnurren, Mauzen, Schreien und ihre Körpersprache zu kommunizieren. Je nach Tonlage unterstreichen sie ihre Forderungen oder teilen sie ihre Stimmung mit. Wirkt liebevolles Anschmiegen nicht, versuchen sie es mit jammervollem Miauen. Ganz Selbstbewusste stupsen dann auch mal mit der Pfote den Menschen an.

 

Frauen und Katzen - wie ein altes Ehepaar

 

Zwischen Mensch und Katze entwickeln sich dabei im Laufe der Jahre starke Bindungen und Emotionen. Der Wiener Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal hat das in Studien genauer untersucht. Die Ergebnisse: Mit den Jahren entwickelt sich zwischen Mensch und Katze eine Beziehung, die sich durchaus mit den Verhaltensmustern, Ritualen und Routinen eines alten Ehepaars vergleichen lässt. Allerdings gilt das vor allem für Frauen, weil sie sich intensiver mit den Tieren beschäftigen. Warum Männder das nicht tun, liegt vermutlich an den Androgenen. Die männlichen Hormone stehen in Verbindung mit geringerer sozialer Aktivität.

 

(Focus Online, 10.3.2014 [http://www.focus.de/wissen/natur/katzen/forschung/tid-26860/weltkatzentag-neun-dinge-die-sie-ueber-ihre-katze-wissen-sollten_aid_796723.html])